Ein holpriger Start ins Neue Jahr

Ihr Lieben, ich habe schon sehr lange nichts mehr von mir hören lassen. Natürlich könnte ich jetzt unzählige Entschuldigungen anbringen und Ausreden auflisten, aber das will ich gar nicht.

In den letzten Wochen und Monaten ist mir bewusst geworden, was für ein krasses Jahr ich hatte. 2014 war geprägt von Höhen und Tiefen, von Stillstand und Veränderung, von Weinen und Lachen. Es ist viel passiert und ich kann nicht sagen, dass ich das alles gut verarbeitet hätte – im Gegenteil: ich habe gerade das dringende Bedürfnis auf die Pause-Taste zu drücken um einfach mal kurz Inne zu halten. Durchatmen. Luft holen.

BreatheBildquelle

 

Seit ich die Schule verlassen habe (und bereits während der Schulzeit ging das los) habe ich das Gefühl, dass mir mein Leben aus den Fingern gleitet. Ich bestimme nicht wirklich wo die Reise hin gehen soll, sondern alles ergibt sich von selbst. Natürlich ist das teilweise schön, auf der anderen Seite macht es mir aber auch Angst. Angst, wenn ich darüber nachdenke, dass mein Leben seit circa 4 Jahren nur aus Arbeit besteht. Angst wenn ich merke, dass die Jahre immer schneller vergehen und vor lauter Arbeit das wichtigste auf der Strecke bleibt: die Freude am Leben!

Nachdem ich mein Abitur erfolgreich in der Tasche hatte fühlte ich mich wie ein König. Endlich hatte ich nach jahrelanger Schulzeit diesen riesigen Berg erklommen. Eine gefühlte Ewigkeit hatten wir darauf hingearbeitet, Tränen vergossen, rumgeschrien, Klausuren geschrieben und Konflikte gelöst – und ganz plötzlich, von einem Tag auf den anderen stehen dir  unendlich viele Wege offen. So viele unterschiedliche Möglichkeiten ergeben sich, so dass ich mich vollkommen überfordert fühlte eine Entscheidung zu treffen. Ich kann nicht mehr!
Statt mich über das hart erkämpfte Abitur in meiner Tasche zu freuen, flossen neue Tränen und schlaflose Nächste folgten: wie soll es weiter gehen? Studieren, Ausbildung, Ausland, FSJ, … was war der richtige Weg?

LetItGoBildquelle


Schließlich entschied ich mich für die Ausbildung, obwohl sich der Großteil meiner Freunde an der Uni einschrieb. Der angenehme Nebeneffekt: Ich habe einen strukturierten Tagesablauf, ein konkretes Ziel und muss mir die nächsten drei Jahre keine Gedanken um meine Lebensplanung machen. Von wegen! Dank guter Noten durfte ich meine Ausbildung auf 1,5 Jahr verkürzen. Natürlich eine große Ehre und eine besondere Auszeichnung, allerdings der Beginn eines neuen Problems: nach 18 Monaten stand ich wieder vor der großen Frage: wie soll es weiter gehen? Mein Ausbildungsbetrieb übernimmt mich nicht, ist das überhaupt der richtige Beruf für mich? Vielleicht doch noch studieren? Oder jetzt ein Jahr Auszeit im Ausland?
Ich kann nicht mehr.

Nach über 60 Bewerbungen die ich europaweit geschrieben habe, finde ich durch eine wunderbare Fügung des Schicksals einen Job in einer kleinen aber feinen Werbeagentur im Herzen Hamburgs. Nachdem ich zur Ausbildung von Nordhessen an die Mosel gezogen bin, ziehe ich jetzt nach 1,5 Jahren in die Hansestadt. Neubeginn Nummer 2.
Ich liebe meine Arbeit, ich liebe meine Kollegen und ich liebe Hamburg. Nach ca. 8 Monaten habe ich das Gefühl mich endlich eingelebt zu haben und gehe in meinem Job als Projektmanagerin vollends auf. Es macht mir nichts aus Abends bis 23.00 Uhr in der Agentur zu sitzen, weil ich dafür am nächsten Tag später kommen kann. Ich genieße wunderbare Freiheiten und gebe dafür 200%.

Vier Monate später kommt der große Einbruch: der Agentur geht es nicht gut. Der normale Lauf der Dinge: Mitarbeiter werden entlassen, das Arbeitspensum für jeden Einzelnen steigt, Freizeit, Freunde und Frohsinn sind Fremdwörter. Es geht mir nicht gut, der seelische Druck ist nicht mehr auszuhalten und emotional bin ich komplett am Ende. Meine Beziehung geht in die Brüche, mein Freund zieht aus, ich Zweifel an meinem ganzen Leben. Ich kann nicht mehr!
Nachdem mir mein Hausarzt eine Woche Zwangsruhe verordnet ist klar: es muss sich etwas ändern.
Neubeginn Nummer 3 steht an, aber was tun? Wo soll ich hin?

StopandBreath

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Ich habe das riesen Glück in einer Firma aufgenommen zu werden, deren Arbeit ich schon seit längerem begeistert verfolge. Zwar muss ich finanzielle Abstriche machen, habe lange nicht so viele Freiheiten wie vorher, aber ich habe einen neuen Job, muss nicht zum zweiten Mal in 3 Jahren umziehen und mich erwarten Kollegen bei denen ich mich wohlfühlen.

Schnell merke ich, dass ich finanziell nicht über die Runden komme, also arbeite ich am Wochenende 1-2 Tage/Woche in einem Kaffee um meine Haushaltskasse aufzufüllen. Im Oktober letzten Jahres steigt das Arbeitspensum in der Firma an. Ich habe keine Zeit mehr Freunde zu treffen, gehe nicht mehr zu Sport und falle Abends in einen tiefen Erschöpfungsschlaf sobald ich im Bett liege. Tag für Tag dasselbe: ich quäle mich aus dem Bett, auf dem Weg zur Arbeit möchte ich am liebsten gar nicht aus dem Bus steigen und nach einem ereignisreichen Arbeitsalltag falle ich Abends völlig erschöpft wieder zurück in mein Bett. Meine Wohnung sieht aus wie Sau. Mein Kühlschrank ist leer. Mein Wäschekorb quillt über. Aber ich kann nicht mehr.

Plötzlich ist Weihnachten. Wo ist denn die Adventszeit hin? Ich – die absolute Backqueen habe es nicht einmal geschafft Plätzchen zu backen! Kein einziges Mal habe ich gebastelt, war auf dem Weihnachtsmarkt oder habe mir „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ angeschaut. WO IST DIE ZEIT HIN?

Kaum ist Weihnachten um, steht Silvester vor der Tür und ehe ich das wirklich realisieren kann ist 2014 vorbei und das neue Jahr steht in den Startlöchern. Ohne Innehalten, ohne stille Nacht, ohne Pause geht es weiter. Ein Blick in den Kalender verrät: der Januar und Februar 2014 sind komplett verplant. Und ich? Das neue Jahr ist gerade mal 6 Tage alt und ich kann schon nicht mehr.

MakeTime

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Ist DAS das Los unserer Generation? Sind wir die Ich-kann-nicht-mehr-Generation? Müssen wir uns damit abfinden, dass wir in unserer Zeit keine Zeit mehr für Pausen haben? Ich fühle mich wie ein 60-jähriger Arbeitnehmer kurz vor der Rente. Mit dem riesengroßen Unterschied: ich stehe erst am Anfang meines Arbeitslebens.
Was können wir tun um mit (fast) 23 Jahren nicht schon komplett herunter gewirtschaftet zu sein? Mein Körper macht nicht mehr mit, Migräne und Bauchschmerzen gehören zu meinem Tagesprogramm. Für Sport und Gesundheit habe ich keine Zeit – wann soll ich denn noch zum Fitness gehen wenn ich 12 Stunden am Tag arbeite (teilweise 7 Tage die Woche). Klar haben wir auch eine gesetzlich vorgeschriebene Urlaubszeit von 24 Tagen im Jahr. Aber was bringt mir der Urlaub wenn ich mir mit meinem Monatsgehalt nicht einmal ein Wochenende an der Nordsee leisten kann?

Vielleicht versteht ihr jetzt, warum ich so lange nicht geschrieben habe: ich suche verzweifelt nach einem Ausweg aus diesem sich immer schneller drehenden Hamsterrad. Irgendwie will ich zur Ruhe kommen. Pause machen. Das Leben genießen. Mich selbst wieder mögen. Nicht mehr nur an Arbeit denken. Aber wie soll das gehen? Ich hab ja keine Zeit dazu.

Rest

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5 Gedanken zu “Ein holpriger Start ins Neue Jahr

    • lisakechel schreibt:

      Thx Amy :) The Post ist just about the fact, that last year was very hard for me, and that it is very difficult for us (as the younger generation) to find a good work-life balance since we do have so much pressure to be successful and to bring our life to something special.

  1. Desiree schreibt:

    kopf hoch meine liebe, ich finde es super dass du so offen hier damit umgehst! ich glaube, dass es tatsächlich diese generation ist, ja nix verpassen usw.
    ich bewunder dich echt und jetzt hab ichs (auch dank dir) mal geschafft, post 2 soeben online: https://itsmedaisy.wordpress.com/

    • lisakechel schreibt:

      Merci liebe Desi für deine netten Worte! Es macht einem nicht gerade Mut, dass unsere Generation von diesem „Grundgefühl“ geprägt ist und ich bin mir ganz sicher, dass es sehr wichtig ist, dass wir uns dessen bewusst werden und ganz gezielt mal die Pause-Tasten drücken … ich glaube ich schreibe gleich noch mal nen neuen Post. ;-)
      Es freut mich wirklich sehr, dass du deinen Blog wieder angehst und freue mich bald mehr lesen zu dürfen! Liebste Grüße in die Heimat <3

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